Cogito - ergo sum
Ich denke, also bin ich
Diese an sich banale Aussage ist hochphilosophisch, denn sie ist der Ursprung allen Seins. "Sin cogere" ist alles andere "undenkbar" und das im Wahrsten Sinne des Wortes.
Umgekehrt ist es auch richtig: Denken kann ich nur, weil ich bin. Doch wieso bin ich?
Biologisch ist dies "einfach" zu erklären - klassischerweise mit den Bienen und den Blüten.
Klar ist, dass zwei Menschen zusammengefunden haben und ich dabei entstanden bin. Das ist aber nur ein kleiner Teil der Wahrheit. Schaut man sich die Sache genauer an, dann war die Samenzelle, die für den Ursprung meines Lebens verantwortlich ist, schneller als Millionen von "Mitbewerbern". Genausogut hätte eine andere Samenzelle das Rennen gewinnen können und ich wäre jetzt ein ganz andere Person und würde auch anders aussehen. Anders wäre es auch, wenn diese Samenzelle auf eine andere Eizelle gestossen wäre. Somit ist der Zeitpunkt, wann meine Eltern zusammen waren, für mich als Individuum von zentraler Bedeutung. Wäre er früher oder später gewesen, wäre ich nicht ich. Ich könnte dann immer noch sagen "Cogito - ergo sum" - nur eben wäre dieses ich nicht das "ich", das diese Zeilen am Schreiben ist.
Der fehlende restliche Teil der Wahrheit ist jedoch, dass nicht nur zwei Menschen für die Entstehung meines Lebens verantwortlich sind, sondern Millionen davon. Hätte es meine Mutter oder meinen Vater nicht gegeben, gäbe es mich auch nicht und all ihre andern Nachkommen ebenfalls nicht.
Dasselbe gilt für meine Grosseltern, deren Eltern und deren Vorfahren. Mit jeder Generation vor mir verdoppelt sich die Anzahl der Zeugungen bzw. die Anzahl der Vorfahren, die gelebt haben mussten, damit ich überhaupt entstehen und ich "ich" werden konnte.
Wieviel für das "ich" die DNA verantwortlich ist und wieviel ich durch die Sozialisation in meiner Familie und durch mein Umfeld und meine Erfahrungen geprägt worden bin, lässt sich wohl kaum je eruieren. Anders könnte dies für die körperlichen Merkmale zutreffen. In meiner DNA lassen sich die Spuren meiner Vorfahren rauslesen und je nachdem, wie weit man diese genetischen Informationen wird aufschlüsseln können, wird man dereinst möglicherweise ein Bild - also eine virtuelle Passfotografie von meinem Ururgrossvaters oder der Ururgrossmutter erstellen können - oder gleich aller 8 Ururgrossväter oder der 8 Ururgrossmütter.
Damit liesse sich belegen, was ich von wem vererbt gekriegt hätte.
Vielleicht liessen sich auf diese Weise meine Vorfahren "biologisch" virtuell visualisieren lassen und dies viel weiter zurück, als ich dies historisch belegen könnte. So wäre allenfalls möglich zu sehen, wie meine Ururur.....grosseltern ausgesehen haben, die vor ca. 900 Jahren gelebt hatten. Von ihnen würde ich zwar die Namen nicht kennen, aber wissen, wie sie aussahen.
Historisch betrachtet, kann ich meine Vorfahren bestenfalls bis ins 16.Jahrhundert zurückverfolgen - in die Zeit, nach der Reformation - als man damit begann, aufzuschreiben, wer der Kongregation der "Richtig-Gläubigen" angehörte. Im Falle von protestantischen bzw. reformierten Vorfahren kann dies zurückgehen bis 1530/1540 und bei katholischen Vorfahren bis 1560/1580 (abhängig von Ort und Kirche).