Wie und wo beginnt die Suche?

Was ist schon bekannt?


Am einfachsten ist es, diejenigen zu fragen, die etwas wissen (könnten).

Die Eltern wissen im Normalfall, wie deren Eltern und vielleicht auch die Grosseltern geheissen hatten - möglicherweise auch etwas über einen Urgrossvater oder eine Urgrossmutter.

Leben die Grosseltern noch und können noch was über ihre Eltern und Grosseltern erzählen - oder lebt gar noch ein Urgrossvater oder eine Urgrossmutter, dann kann man schon einiges erfahren und kommt so auf einen Schlag rund 200 Jahre zurück.

Oft gibt es auch Familienanekdoten, Familienerbstücke, eine Familienbibel, in welcher möglicherweise noch Namen zu finden sind. Vielleicht existieren noch alte Briefe, Heimat- oder Passierscheine, Fotos etc. - Kollektive Erinnerungsstücke dieser Art sind eine Bereicherung für jede Familie - sie sind das Fleisch am Knochen.

Wichtig ist, dass man sich alles notiert und auch festhält, woher die Information stammte.

Auch sollte man sich schon sehr früh die Frage stellen, in welcher Form die gefundenen Informationen festgehalten werden sollen.

Vor über dreissig Jahren war diese Frage eine der wichtigsten.

Heute ist es Dank dem PC wesentlich einfacher. Diese Daten können entweder in einer Tabellenkalkulation, in einem Texteditor, in einer Datenbank oder in einem Ahnenforschungsprogramm erfasst werden. Hauptsache ist, dass sie digital erfasst sind, denn das "umgiessen" von einer digitalen Form in eine andere, lässt sich immer irgendwie bewerkstelligen.


Systematische Recherche


Mit jeder Generation, die man weiter zurückverfolgt, verdoppelt sich die Anzahl der Vorfahren (Eltern 2, Grosseltern 4, Urgrosseltern 8, Ururgrosseltern 16 usw.).

Da diese Personen nicht alle aus dem gleichen Ort stammen, sondern sich sogar über mehrere Länder verteilen bzw. aus verschiedenen Ländern kommen können, ist es sinnvoll, sich Linie für Linie einzeln "vorzunehmen": Alle, die denselben Familiennamen haben wie ich; also die väterliche Linie. Viele Familienforschende beschränken sich auf diese.

Allenfalls kann man sich dann mit den drei andern grosselterlichen Linien auseinandersetzen: die Familie der Mutter des Vaters, des Vaters der Mutter und der Mutter der Mutter.

Hat man auch diese erforscht, kann man sich auf die Spuren der Familien der Urgrosseltern machen.

Mit jeder weiteren Generation verbreitet sich der Stammbaum. Wenn es von mir bis zum ersten bekannten Vorfahren - dem Stammesgründer sozusagen - rund 16 Generationen sind mit zwei Linien (Vater und Mutter), so sind es bei meinen Eltern zwar 4 Linien aber nur noch 15 Generationen. Anders gesagt: die Linien verdoppeln sich zwar, die Anzahl der Generationen bis zum Anfang der Aufzeichnungen nimmt aber um eines ab.

Da meine Frau und ich nicht nur "meine" Seite erforschen, sondern auch "ihre" befinden sich (nach rund 35 Jahren Forschungsarbeit) in unserer Datenbank rund 6000 Personen und knapp 1000 Familiennamen.

Wo beginnt die gezielte Suche?


Da ich wusste, dass mein Grossvater 1888 in Ueberlingen geboren wurde, begaben wir (meine Frau und ich) uns dorthin und fanden ihn im Taufregister (zusammen mit seinen Geschwistern). Im Eheregister waren auch seine Eltern (da sich mein Vater noch an den Namen seiner Grosseltern erinnern konnte, waren mir deren Namen bereits bekannt).

Von da gab es dann Verweise auf Sipplingen --> wo dann ein Hinweis "aus Allmenstorf" zu finden war, was uns zurückbrachte nach Allmannsdorf (Konstanz) und schliesslich in den Kanton Thurgau.

Auf diese Weise konnten wir meine väterliche Linie direkt bis 1610 belegen.

Mit den heutigen Möglichkeiten würde ich die Suche nicht in Ueberlingen beginnen, sondern direkt bei familysearch.org, wo die Ehe meiner Urgrosseltern eingetragen ist und von dort bei familysearch.org weiterforschen.

Möglicherweise würde ich dann die Originaldokumente online suchen (z.B. bei Matricula oder Archion) - da ich jedoch weiss, dass die Kirchenregister von Ueberlingen weder in der einen noch in der andern Datenbank zu finden sind, würde ich erneut für ein paar Tage in die Bodenseeregion reisen und mich vor Ort in den entsrpechenden Archiven / Pfarrämtern umsehen oder allenfalls zum nächsten Forschungszentrum der Kirche der Heiligen der letzten Tage gehen und mir die kopierten Kirchenregister dort ansehen.

Leitfaden der Genealogie


Punkto Genealogie und Ahnenforschung generell gibt es so viele Hilfestellungen.

Ein Leitfaden - ein 12 seitiges PDF - ist bei Ahnenchronik.de zu finden und kann da direkt heruntergeladen werden.

Weitere Infomationen!


Oft kann ein Blick ins Geschichtsbuch oder die lokale Chronik weiterhelfen oder Umstände klären.

In unserem Fall war es so, dass der Familienname in Allmannsdorf bis zu einem bestimmten Jahr Dutzende Male zu finden war und ab dann für längere Zeit nicht mehr. Die Zäsur konnten wir dann verstehen, als wir feststellten, dass dies in der Mitte des Dreissigjährigen Krieges war und die schwedischen Truppen bis nach Konstanz gekommen waren und alles um die Stadt herum gebrandschatzt hatten - einzig die Stadt selbst konnten sie nicht einnehmen.

Geschichtliche Ereignisse (Krieg, Grossbrand, Hungersnot, Pest usw.) hatten einen grossen Einfluss auf die Bevölkerungsentwicklung und damit teilweise auch auf die eigene Familiengeschichte.

Gerade bei Fakten, die nicht ohne weiteres eingeordnet werden können, lohnt sich ein Blick in weitere Unterlagen oder ein Gang zum Stadt- bzw. Ortsarchiv.

Familysearch.org ist für mich zum Beschaffen von Informationen eine enorme Hilfe, aber es ist keine Quelle im eigentlichen Sinne. Alles, was man dort findet, sollte man durch Konsultation der Quellen (Kirchenregister) verifizieren.

Der nächste Schritt ist somit die Forschungsarbeit in den Kirchenregistern und das Erfassen der Daten auf dem PC (siehe Software).

Schwierigere Aufgabe

Manchmal stösst man bei der Ahnenforschung an Grenzen, wenn z.B. ein Vorfahre ein "uneheliches" Kind war, so dass man dann in der väterlichen Linie nicht mehr weiterkommt.

Es kann aber auch sein, dass eine Kirche samt den Kirchenregistern abgebrannt oder in einem Krieg abgefackelt worden ist. Somit gibt es gar keine Aufzeichnungen mehr.

Manchmal sind die Register durch Wasser oder Feuchtigkeit von Insekten, Würmern, Mäusen oder andern Schädlingen in Mitleidenschaft gezogen worden, so dass ein Teil der Informationen unwiederbringlich zerstört sind.

Allenfalls gibt es dann Steuerurbare oder andere Unterlagen, in denen man zumindest nachweisen kann, dass die Familie vor Ort war, auch wenn sich daraus in den wenigsten Fällen verwandtschaftliche Verhältnisse rekonstruieren lassen.

Ganz schwierig wird es, wenn Vorfahren im Waisenhaus aufgewachsen oder adoptiert worden sind und keine Informationen vorhanden sind, wer die Eltern waren.
Hat man aber Glück, findet man mittels DNA-Analyse Verwandte und kann möglciherweise einen Teil seiner Wurzeln finden.

Ganz sicher gelangt man aber ans Ende der Forschung, wenn es gar keine Unterlagen mehr gibt - Kirchenregister wurden erst nach der Refomation geführt und gehen somit aufs 16.Jahrhundert zurück.

Weiter zurückgehen in der Familienforschung kann man allenfalls nur, wenn man Adelige Vorfahren hatte. Dies trifft in meinem Falle nicht zu und wahrscheinlich bei den wenigsten Personen, die auf der Suche nach ihren Vorfahren sind.

Ahnenschwund

Es ist denkbar, dass man die Spur von Ahnen verliert, weil sie in einem Krieg gefallen, ausgewandert oder sonst irgendwie "verschwunden" sind.

Der Ahnenschwund hat damit aber nichts zu tun. Darunter versteht man, wenn zB. einer der Urgrossväter eine Cousine oder ein Grossvater eine Cousine geheiratet hatte.

Hätte also ein Urgrossvater eine Cousine geheiratet, wären dessen Vater (Mutter) und deren Vater (Mutter) Geschwister gewesen.
Somit hätte mein(e) Vater (Mutter) nur drei Urgrosselternpaare und nicht vier bzw. ich hätte nur 7 Ururgrosselternpaare anstatt 8.

Hätte mein Grossvater eine Cousine geheiratet, hätte dies in Bezug auf mich keinen Einfluss in Bezug auf den Ahnenschwund, aber für die nächsten Generationen.

Besonderheiten, die ich angetroffen habe

In vielen Familienforschungen gibt es Spezialfälle:

Diese Liste liesse sich sicher durch viele weitere Beispiele erweitern.

Doch da machen alle Familienforschenden ihre eigenen entsprechenden Erfahrungen.